Beispiele aus der Praxis

Marken- und Produktpiraterie schadet Herstellern, Händlern und Konsumenten. Dreiste Plagiate und minderwertige Fälschungen sind nicht nur gefährlich, sondern auch ein gigantischer Kostenfaktor: Sie vernichten Kapital und Arbeitsplätze. Kein Hersteller begehrter Markenprodukte ist vor Fälschungen sicher – auch MAHLE nicht. Das Unternehmen kennt jedoch Mittel und Wege, um seine Marken und die von ihm bedienten Märkte zu schützen.

Produktfälschungen haben Hochkonjunktur. Immer mehr dubiose Unternehmen kopieren die hochwertigen Produkte renommierter Marken bis hin zur Verpackung – in der Hoffnung, durch den illegal verwendeten guten Namen und den Einsatz minderwertiger Materialien ans schnelle Geld zu kommen. Als Top-Marken sind auch MAHLE Filter und Knecht nicht vor Fälschungen gefeit.

Produktfälschungen bei Autoteilen sind keine Kavaliersdelikte, sondern eine echte Gefahr: Die hier gezeigten Beispiele schaden nicht nur dem Ruf der kopierten Marken, sondern auch dem Motor – und damit jedem Einzelnen in der Handelskette, der solche Fälschungen einbaut und vertreibt. Allerdings: Die Fälschungen sind nicht ohne Weiteres zu erkennen – von außen ist der verbotene Nachbau zumeist unauffällig. Deshalb haben unsere Experten einen Blick ins Innere zweier besonders frecher Plagiate geworfen.

Der Ölfilter: Die Fälschung ist nicht funktionsfähig

„Nagelprobe“: Nicht bestanden
Der angebliche OC 257, den ein Händler an MAHLE Aftermarket zur Überprüfung schickte, zeigte im ersten Moment keine Auffälligkeiten. Nach einer einfachen Kratzprobe an der Bedruckung kamen dann doch Zweifel auf: Die Druckfarbe konnte mühelos mit dem Fingernagel entfernt werden!

Links das Original mit abriebfester Bedruckung. Rechts die Fälschung, bei der sich der Druck durch Kratzen mit dem Fingernagel ablöst.

Die Sicke: Hier sickert’s durch
Nach dem Öffnen des Filters ein Blick auf die Endscheibe: Hier fehlt bei der Fälschung die zweite Sicke. Sie dient im Original zur Verstärkung der Deckscheibe, um zu verhindern, dass diese sich bei Belastung verformt und der Dichtring infolgedessen nicht mehr abdichten kann.

Die Endscheibe: von außen nicht unterscheidbar.

Aber innen fehlt bei der Fälschung (rechts) die Verstärkungs-Sicke.

Filtereinsatz: Kurz und schlecht
Nun zum Filtereinsatz selbst: Dieser ist um 10 mm kürzer als das Original. Die Folge: ca. 9 % weniger Filterfläche – dadurch weniger Filterleistung und verringerte Schmutzaufnahme. Auch weist der Einsatz statt 80 Faltungen nur 60 auf! Allein durch die geringere Faltungsanzahl ist die Filterfläche um 25 % reduziert. Das bedeutet: Zusammen mit den 9 % ergibt das eine um 34 % geringere Schmutzaufnahme und eine um 34 % verkürzte Lebensdauer.

Auffällig ist auch die ungleichmäßige Faltengeometrie: Teile des Filterpapiers sind sehr dicht gefaltet – kurz vor einer Blockbildung. Bei anderen hingegen sind die Abstände viel zu groß. Gleichzeitig fehlt an einigen Stellen die Verklebung zwischen Faltenstern und Blechendscheibe, mit der verheerenden Folge, dass das Öl hier direkt und ungefiltert von der Roh- zur Reinseite strömt!

Links Original, rechts Fälschung: kürzerer Filtereinsatz und ungleichmäßige Faltung.

Im Detail: Die Faltung ist mangelhaft – und teilweise nicht verklebt.

Rücklaufsperrventil: Dumm gelaufen
Eine besonders kritische Stelle ist die Abdichtung zwischen Roh- und Reinseite im Bereich des Rücklaufsperrventils. Bei den Filtern der Marken MAHLE und Knecht zeichnet sich der Einsatz durch einen sauberen Radius aus, der in Verbindung mit einem präzisen Gummiformteil als Rücklaufsperre für eine einwandfreie Abdichtung sorgt. Beim Plagiat hingegen ist lediglich ein scharfkantiger Blechrand zu erkennen, an dessen schartiger, rissiger Kante das Öl direkt – ohne Filtration – von der Roh- zur Reinseite läuft.

Das Original: eine Präzisionsabdichtung.

Die Fälschung mit scharfkantigem, undichtem Blechrand, durch den ungefiltertes Öl gelangt.

Beim Original ist das Rücklaufsperrventil als präzises Gummiformteil gefertigt. Rechts hingegen das Plagiat mit einfacher ausgestanzter Gummischeibe, die nicht an der Dichtfläche anliegt.

Die Folge: Je nach Einbaulage (Filter liegend oder auf dem Kopf eingebaut) kann der Filter nach dem Abstellen des Motors komplett leer laufen – und er muss beim nächsten Motorstart erst wieder komplett gefüllt werden. Bis dahin wird der Motor nicht mit dem notwendigen Öl(druck) versorgt, was langfristig zu einem erhöhten Verschleiß an den verschiedenen Schmierstellen im Motor – wie Kurbelwellenlager, Nockenwellen oder Zylinder – führt.

Versagen am Bypass
Endgültig disqualifiziert sich der Ölfilter-Nachbau beim Bypassventil. Dieses wichtige Bauteil hat die Aufgabe, die Ölversorgung des Motors unter allen Umständen sicherzustellen – also beispielsweise selbst bei einem total zugesetzten Einsatz bzw. bei extrem tiefen Außentemperaturen (und entsprechend zähflüssigem Öl). Beim Plagiat ist das Ventil absolut funktionsuntüchtig: Die Federspannung ist so gering, dass es selbst im normalen Bereich dauerhaft offen steht … und das Öl permanent ungefiltert zum Motor strömt. Das heißt: Dieser nachgemachte Ölfilter kann seine Aufgaben nicht erfüllen – mit der Folge, dass im Betrieb der Motor relativ kurzfristig Schaden nehmen wird.

Das MAHLE Bypassventil

Die Kraftstofffilter-Kopie: Filtert nicht

Und das nicht funktionsfähige Pendant am gefälschten Filter

Plastik statt Alu
Der gefälschte KL 72 kam in einer besonders dreisten Form zu MAHLE Aftermarket: in einer offensichtlich nachgemachten alten Knecht Verpackung. Beim Öffnen wurde aber sehr schnell klar, dass es sich hier tatsächlich nur um eine Fälschung handeln konnte: Während der Kraftstofffilter normalerweise in Aluminium gefertigt wird, besteht der Billig-Nachbau aus Kunststoff. Überdies war die Bezeichnung falsch: Statt „Kraftstofffilter“ ist „Krarislofffilter“ zu lesen.

Der KL 72 wird von uns in Aluminium gefertigt. Nachbauer begnügen sich mit Kunststoff – und Schreibfehlern auf dem Gehäuse.

Ganz und gar nicht dicht
Der Filtereinsatz war auf den ersten Blick unauffällig, offenbarte jedoch einen signifikanten Mangel: Die scharfe Kante ist zur Abdichtung von Roh- und Reinseite gänzlich ungeeignet – hier ist ein Radius erforderlich. Auch sind die Maßunterschiede zwischen der Bohrung im Filtereinsatz und ihrem Gegenstück so groß, dass hier keine Abdichtung zu erwarten ist: Der Kraftstoff strömt ungefiltert von der Roh- zur Reinseite.

Der erforderliche Radius wurde einfach durch eine scharfe Kante ersetzt. Die Folge: Undichtheit.

 

Bewusste Verbrauchertäuschung durch Nachahmung von Knecht und MAHLE Original Filtern: Die Firma „Bavaria Filter Werke“ existiert nicht … und garantiert sind beide Hersteller keine Erstausrüster“.


Kfz-Ersatzteile sind wichtig für Funktion, Verkehrssicherheit und Werterhalt der Fahrzeuge. Ist das Teil in Materialqualität und Verarbeitung ungenügend, besteht Gefahr für die Verkehrssicherheit. Bei sicherheitsrelevanten Ersatzteilen wie Bremsbelägen ist dies leicht nachvollziehbar. Aber auch andere Bauteile bergen Sicherheitsrisiken: Gebrochene oder verklemmte Motorventile können zum abrupten Motorstillstand führen. Bei durch mangelhafte Verarbeitung undichten Kraftstofffiltern droht Explosionsgefahr. Ein schleichendes Risiko sind Motorölfilter mit ungenügender Filterleistung: Sie halten Schmutzpartikel nicht aus dem Motoröl fern, erhöhen dadurch den Verschleiß und das Risiko kapitaler Folgeschäden.

MARKENPIRATERIE: DIE OPTISCHE TÄUSCHUNG
Der Kfz-Teilemarkt ist, wie zwischenzeitlich nahezu jeder andere Markt, durchsetzt von Produkten, die den Namen oder das Verpackungsdesign renommierter Marken nachahmen und dem Kunden so eine Produktqualität suggerieren, die oft nicht erreicht wird. Der Fachmann spricht hier von Markenpiraten. Das klingt harmlos, fast nach Kavaliersdelikt. Aber die Folgen und Gefahren sind weitreichend – und der Schaden, der durch gefälschte Produkte entsteht, ist enorm. Daher bietet der Gesetzgeber den Herstellern der Originalprodukte die Möglichkeit, gegen Markenpiraterie vorzugehen und die fälschliche Benutzung ihrer Marke bzw. das Nachahmen ihrer Verpackung zu untersagen.

DAS PATENT – SCHUTZ FÜR IDEE UND INVESTITION
Neuentwicklungen von Kfz-Teilen sind mit erheblichen Investitionen verbunden, die über den Produktpreis wieder zurückfließen müssen, um künftige Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu ermöglichen. MAHLE schützt daher seine Neuentwicklungen durch Patente vor illegalem Kopieren: Erst nach Ablauf von 20 Jahren dürfen andere Hersteller diese Produkte nachbauen – oder sie müssen eine Lizenz erwerben. So werden die Investitionskosten über einen langen Zeitraum wieder eingespielt und müssen nicht in kurzer Zeit über den Produktpreis erwirtschaftet werden.

MARKEN- ODER PATENTVERLETZUNG?
Wenn MAHLE ein Wettbewerbs- oder Piraterieprodukt bekannt wird, beispielsweise durch Hinweise von Händlern, Handelsvertretern oder durch einen Fund im Internet, wird zunächst ein Muster beschafft – das Beweisstück. Das geht in die MAHLE Patentabteilung, wo überprüft wird, ob es sich um eine Markenverletzung handelt. Dies ist dann der Fall, wenn „das äußere Erscheinungsbild geeignet ist, den Eindruck zu erwecken“, dass es sich um ein MAHLE Produkt handelt. Weitaus schwieriger ist die Überprüfung auf eine Patentverletzung. Die von MAHLE produzierten Ölfilter OX 171 sind beispielsweise durch mindestens vier Patente geschützt. Der Patentfachmann überprüft nun Schritt für Schritt, ob das fragliche Produkt mit dem Wortlaut der Patentschrift übereinstimmt.

DIE KONSEQUENZ FÜR DEN PIRATEN: ÄNDERN, KAUFEN– ODER STRAFE ZAHLEN
Wird bei MAHLE eine Marken- oder Patentverletzung festgestellt, versucht MAHLE, sich mit dem Verursacher gütlich zu einigen. Anschließend wird das Produkt entweder so geändert, dass es keine Patente mehr verletzt, oder aber es wird künftig direkt von MAHLE bezogen. Ist eine Einigung nicht möglich, muss der Beklagte mit den Konsequenzen rechnen: Schadensersatz, Kostenerstattung und Unterlassungserklärung. Hat der Beklagte das gefälschte Produkte nicht selbst hergestellt, sondern aus anderer Quelle bezogen, muss er seiner Auskunftspflicht nachkommen und seinen Lieferanten offenlegen. Selbstverständlich gibt es auch Fälle, in denen ein beklagter Händler selbst zum Opfer einer Täuschung geworden ist. Dann hat der Händler einen Schadensersatzanspruch gegen seinen Lieferanten – den er mithilfe der von MAHLE gegen den Lieferanten erstrittenen Unterlassungserklärung auch leicht durchsetzen kann.

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AN DER WURZEL
Die Ermittlung der Quelle, aus der die gefälschten Produkte stammen, ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die Marken- und Produktpiraterie. Das Wissen, welche Großhändler oder Produzenten patent- oder markenverletzende Produkte in den Markt bringen oder bringen wollen, trägt dazu bei, den eigentlichen Verursachern der Produktfälschungen das Handwerk zu legen und so den Markt – und damit auch Handel, Werkstatt und Autofahrer – vor Marken- und Produktpiraterie zu schützen. Um gefälschte Produkte von den Märkten fernzuhalten, hat MAHLE auch die Möglichkeit, den Zoll einzuschalten und verdächtige Produkte an der Grenze festhalten zu lassen – mithilfe des sogenannten Grenzbeschlagnahmeverfahrens. So können insbesondere Produktfälschungen aus Übersee konfisziert und vernichtet werden.

Ein Nachbau des OX 171 mit „Pin“ – und zwei Verletzungen von MAHLE Patenten: Der kleine Dichtring ist nicht montiert (er liegt lose bei, eine Bedienungsanleitung, wo und wie er zu montieren ist, fehlt) und die Dichtung ist an die Endscheibe angeformt.